Caravan Salon 2024: Unser erster Messebesuch in Düsseldorf
"Fahrt doch mal nach Düsseldorf, da seht ihr alles auf einmal." Diesen Satz haben wir dieses Jahr ungefähr fünfzig Mal gehört, seit wir auf der Suche nach unserem ersten Wohnwagen sind. Also sind wir hingefahren.
Kurz vorweg: Es war großartig, und wir haben es komplett unterschätzt.
Zuerst die Dimensionen
Der Caravan Salon ist die größte Camping-Messe der Welt, und das merkt man nach ungefähr zehn Minuten. 16 Hallen, dazu ein Freigelände, rund 780 Aussteller. Über 250.000 Leute waren in den zehn Tagen da.
Wir hatten einen Tag eingeplant. Das war naiv. Am Nachmittag hatten wir immer noch nicht alle Wohnwagen gesehen, und die zwei Hallen mit Technik und Zubehör haben wir am Ende nur noch im Laufschritt mitgenommen. Unsere Schrittzähler standen abends bei über 20.000.
Die gute Nachricht: Wohnwagen werden gerade günstiger
Das war die größte Überraschung. An mehreren Ständen hat der Verkäufer von sich aus mit dem Preis angefangen, bevor wir überhaupt etwas fragen konnten.
Der Grund ist simpel. In den Corona-Jahren wollten plötzlich alle campen, die Hersteller haben produziert wie verrückt, und jetzt stehen die Höfe der Händler voll mit Fahrzeugen von letztem Jahr, die niemand bestellt hat. Also wird verhandelt. Von Nachlässen bis 10.000 Euro war die Rede, ein Hersteller hat auf einzelne Modelle sogar mit 13.900 Euro geworben.
Für uns als Suchende ist das erst mal eine gute Nachricht. Und die Preise für die neuen Modelle sind zum ersten Mal seit Jahren nicht weiter gestiegen.
Der große Trend: klein, leicht, ohne Gas
Wenn wir eine Sache von der Messe mitnehmen, dann die: Die Hersteller bauen wieder leichte Wohnwagen.
Der Grund sind Elektroautos. Die dürfen oft nur eine begrenzte Last ziehen, und viele Leute haben ohnehin nur den normalen Autoführerschein. Ein üblicher Wohnwagen wiegt gut über eine Tonne, und damit wird es für ein kleines Auto schnell eng.
Das schönste Beispiel stand bei Adria: der Aviva Lite. 4,75 Meter lang, 660 Kilo leer und ab 13.999 Euro. Möglich wird das, weil einfach vieles weggelassen wurde. Dünnere Wände, leichtere Möbel, keine Dachschränke, sondern Netze an der Wand. Und vor allem kein Gas. Es gibt keine Heizung, dafür einen Elektroboiler fürs Warmwasser und einen Kühlschrank, der mit Strom läuft.
Damit ist klar: Das ist ein Sommerwagen. Im Oktober an der Nordsee wollen wir da nicht drin liegen. Aber für alle, die mit einem normalen Kombi losfahren wollen, ist das eines der spannendsten Fahrzeuge auf der Messe.
Weg vom Gas geht übrigens gerade die ganze Branche. Klimaanlagen, die auch heizen können, Induktionskochfelder, Kühlschränke mit Kompressor statt Gasbetrieb. Alde hat sogar eine Heizung gezeigt, die mit Diesel läuft.
Was uns am meisten Spaß gemacht hat
Drei Sachen, über die wir auf der Rückfahrt noch geredet haben:
Der Bürstner Talis. Eine Studie, also noch nichts zu kaufen. Hinten klappt eine Art Kabine heraus, die man mit einer ganz normalen Luftpumpe aufbläst. Daraus wird ein Doppelbett, und darunter entsteht noch eine Kinderkoje. Die Küche kann man komplett herausnehmen und draußen benutzen.
Der LMC Modo. Von außen ein schlichter Kofferanhänger, wie ihn Handwerker fahren. Innen sind die Wände magnetisch, und die Möbel klickt man an Schienen ein. Im Sommer ist es ein Wohnwagen, im Winter transportiert man damit Material. Ab 19.900 Euro.
Die Toilette von Knaus. Die kommt ohne Wasser und ohne Chemie aus und schweißt alles nach jedem Gang in eine Folie ein, ungefähr wie ein Vakuumierer in der Küche. Entsorgt wird über den Hausmüll. Wir fanden die Idee gut und die Vorstellung trotzdem leicht seltsam.
Und die normalen Wohnwagen?
Für alle, die es konkret interessiert, in aller Kürze:
- Tabbert Cazadora: komplett neue Baureihe, ersetzt den Da Vinci, ab 25.990 Euro und damit rund 3.000 Euro günstiger als der Vorgänger
- Knaus Sport: neu konstruiert, leichter und billiger, ab 19.290 Euro. Dafür fliegt die elektrische Heizmöglichkeit raus
- Bürstner Averso: nach Jahren Pause zurück, ab rund 29.500 Euro
- Hobby: sechs Baureihen, Einstieg mit dem bunten Beachy ab 14.670 Euro
- Fendt Bianco Activ 495 SFE: schräger Grundriss mit Querküche hinter einer Glaswand, ab 29.930 Euro. Uns hat er gefallen
Eine Sache aus der Technikhalle
Truma hat seine Dachklimaanlage Aventa komplett neu gebaut. Sie ist leichter, deutlich leiser und braucht beim Anlaufen weniger Strom, was auf Campingplätzen mit schwacher Absicherung ein echtes Thema ist. Alle Varianten können auch heizen. Kaufen kann man sie erst im Frühjahr, einen Preis wollte uns niemand verraten.
Falls ihr nächstes Jahr hinwollt
- Tickets gibt es nur online und für einen festen Tag. Tageskasse: gibt es nicht mehr
- Fahrt unter der Woche. Am Wochenende kommt man in den großen Hallen kaum durch
- Plant zwei Tage ein, oder entscheidet euch vorher, ob ihr Fahrzeuge oder Technik sehen wollt
- Bequeme Schuhe. Wir meinen das ernst
- Brote einpacken. Das Essen auf dem Gelände ist teuer
Unser Fazit
Wenn ihr noch keinen Wohnwagen habt, ist der Caravan Salon genau richtig für euch. Man kann in ein paar Stunden in mehr Fahrzeuge steigen als sonst in einem halben Jahr, und man merkt sehr schnell, was einem gefällt und was nicht. Wir wussten vorher nicht, dass wir Etagenbetten furchtbar finden. Jetzt wissen wir es.
Drei Wohnwagen stehen bei uns jetzt auf der engeren Liste, und einer davon war vorher überhaupt nicht auf dem Zettel. Welcher es wird, erfahrt ihr hier.
Aber generell tendieren wir auch sehr stark zu einem gebrauchten Wohnwagen. Aber es war schön, einfach mal so viel aus den verschiedenen Bereichen zu sehen.